Wenn sich Bürgermeister Günther Albel wie hier mit einem Polizisten zeigt, rückt er in den Hintergrund. Er vermittelt: „Es geht nicht um mich.“
Wenn sich Bürgermeister Günther Albel auf Facebook-­Fotos mit Polizisten oder Marktfrauen zeigt, rückt er ab­­sichtlich in den Hintergrund. Damit vermittelt er: „Es geht nicht um mich, sondern um die Menschen.“
© Wolfgang Kofler
EIN SOCIAL-MEDIA-MANAGER ERZÄHLT

Mein Chef, der INFLUENCER

Der Villacher Bürgermeister Günther Albel betreibt einen der reichweitenstärksten Facebook-Accounts Kärntens. Wie macht man Videos, die 10.000 Mal angeklickt werden? Albels Social-Media-Manager Wolfgang Kofler gibt Einblick hinter die Kulissen.  
von  Wolfgang Kofler , 8. Februar 2021

Für die einen ist es Mordor, das Reich des Bösen. Für die anderen die genialste Erfindung seit dem bügelfreien Businesshemd. Es geht um Social Media. Mit Facebook, Instagram, Twitter und TikTok müssen Sie sich als Bürgermeisterin, als Bürgermeister auseinandersetzen. Oder jemand unterstützt Sie dabei. Jemand wie ich. Mein Name ist Wolfgang Kofler, ich betreue seit zwei Jahren die Social-Media-Accounts des Villacher Bürgermeisters Günther Albel. Hier möchte ich ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern. 

Wir haben uns entschieden, die Plattformen Facebook und Instagram gemeinsam aktiv zu bespielen. Auf Twitter ist mein Chef nur in der Beobachterrolle, für TikTok fühlt er sich 40 Jahre zu alt. Er ist 1975 geboren, rechnen Sie selbst.

Vorweg: Social-Media-Postings können den direkten Kontakt mit der Bevölkerung nicht ersetzen. Sie sind aber eine wunderbare Ergänzung und können Ihre Präsenz in den Köpfen der Menschen verstärken. Und sie bieten die Möglichkeit, positive Aspekte Ihres Wirkens zu präsentieren, die Sie in herkömmlichen Medien nicht platzieren können. Kurz gefasst: Ja, Sie sollten im Netz präsent sein. Ja, Sie sollten darüber nachdenken, wie Sie es künftig besser machen könnten. Und ja, es zahlt sich aus. 

Nur der Landeshauptmann hat mehr Fans

Mit einer kumulierten Facebook/Instagram-­Community von mehr als 13.000 Menschen erreicht mein Chef mittlerweile eine relevante Öffentlichkeit. Nur Landeshauptmann Peter Kaiser hat in Kärnten noch größere Reichweiten. Einzelne Videos, die wir in den vergangenen zwei Jahren selbst produziert haben, haben bis zu 10.000 Zugriffe. Wie das geht? Hier ein paar Empfehlungen, die ich für sinnvoll halte.

Nutzen Sie die Vorteile der digitalen Welt! 

Arbeiten Sie nicht nur mit Fotos und Texten,  sondern mit Bewegtbildern. Mit Videos. Sie können mit eigenen Worten direkt zur Bevölkerung sprechen. Dazu benötigen Sie ein Smartphone, ein  günstiges Mikrofon und eine App für die Schnittarbeit. In „InShot“ ist das kinderleicht. Keiner erwartet Perfektion. Es geht um authentische Kommunikation mit den Menschen.

Ein Besuch im Krankenhaus: Das Personal vor den Vorhang

 

Fertigen Sie Untertitel für Ihre Videos an 

Erstens, weil dies der Vorgabe der Barrierefreiheit entspricht. Und zweitens, weil viele Menschen Social-Media-Videos ohne Ton schauen, um andere nicht zu stören. Facebook bietet eine Untertitel-Funktion an, die App „Mix Captions“ ist ein preiswertes, sehr gutes Tool.  

Bloß keine Parteipolitik!

Parteipolitik interessiert in den sozialen Medien niemanden. Niemanden! Außerdem sind Sie für Ihren Account rechtlich zuständig. Wenn Sie mit dem Bihänder auf die Konkurrenz einschlagen, werden Sie Gegenattacken ernten. Dann sind Sie die nächsten Stunden mit dem Löschen von Kommentaren beschäftigt, um Gerichtstermine wegen Verleumdung oder übler Nachrede zu vermeiden. Bewahren Sie sich eine positive Grundstimmung. Für den Rest gibt es die Presse. 

Social-Media-Profi Wolfgang Kofler (rechts) mit Thomas Brezina und dem Villacher Bürgermeister Günther Albel

Auch Negatives kann und soll Thema sein

Als mein Chef wegen Fehlern bei der Bundespräsidentenwahl zu einer Geldstrafe verurteilt wurde, hat er sich – noch vor der Presseaussendung – mit einem viel beachteten Video zuerst an die Villacher Bevölkerung gewendet. Sogar die APA hat aus dem Video zitiert.   

Sich privat zu zeigen, ist gut – in Maßen

Wenn Ihr Account den Eindruck vermittelt, dass Sie dauernd am Feiern sind, wird man das nicht lustig finden. Essenspostings sind eher mau. Und sparen Sie sich Angeber-Posts: „Schaut her, mein neuer Mercedes“ ist eine ganz, ganz schlechte Idee. Aber warum nicht ein Post vom Reifenwechseln oder vom Wochenendsport? Obwohl: Ein Video, das meinen Chef von hinten an einem Fitnessgerät zeigt, hat zu einer bemerkenswerten Facebook-Diskussion mehrerer Frauen über den bürgermeisterlichen Allerwertesten geführt. Da heißt es: locker bleiben. 

Zur Person

Der gelernte Journalist ist seit zwei Jahren Pressesprecher des Villacher Bürgermeisters Günther Albel. Zuvor nach Lehrjahren bei der „Kleinen Zeitung“ Stationen als Chefredakteur von „Kärntner Monat“ und „Extradienst“ sowie als Ressortleiter bei „NEWS“ und „Kärntner Woche“.